Notiz Nr.10

Dezember 2007 RHEINISCHE POST
von Jörg Zittlau


                                       Rauchverbot — weniger Infarkte
       Kein Qualm mehr in öffentlichen Einrichtungen und Kneipen — dieser Grundsatz bringt tatsächlich                              Vorteile. Aktuelle Studien zeigen, dass Nichtraucher viel gesünder leben können.


DÜSSELDORF. Raucher leben nicht nur selbst kürzer und ungesünder, ihr Qualm gefährdet auch die Nichtraucher um sie herum. Dennoch fehlten bisher schlüssige Beweise, dass ein Rauchverbot in Gaststätten und anderen öffentlichen Lokalitäten dem Nikotinabstinenzler tatsächlich gesundheitliche Vorteile bringt. Doch jüngste Studien schließen nun auch hier die Beweislücken.
So zeigten Labortests, dass im Nebenstromrauch, der beim Verglimmen der Zigarette zwischen den Zügen entsteht, zahlreiche Gifte frei werden. Wie etwa Ammoniak und Stickoxid oder auch krebserregende Stoffe wie Arsen, Cadmium und radioaktives Polonium. Selbst Feinstaub wird im Nebenqualm frei: Schon das Abglimmen von drei Zigaretten verbreitet mehr Feinstaub als ein Dieselmotor. Dass diese Schadstoffbelastungen auf die Gesundheit niederschlagen, liegt nahe.

                                         Schon nach wenigen Monaten zeigt sich die Wirkung

Laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums sterben hierzulande 260 Nichtraucher an passivrauchbedingtem Lungenkrebs, bei Herzerkrankungen liegt die Todesfallquote bei 2140, bei Schlaganfällen sind es 770. Insgesamt sterben mehr als 3300 Nichtraucher an den Folgen des Passivrauchens. „Das sind", wie Studienleiterin Martina Pötschke-Langer betont, „mehr Todesfälle als durch illegale Drogen, Asbest, BSE und SARS zusammen."


Nichtraucher, die in verqualmten Kneipen und Restaurants arbeiten, haben schon nach acht Arbeitsjahren ein doppelt so hohes Risiko für Lungenkrebs. Das berichten Katja Radon und Dennis Nowak vom Universitätsklinikum in München. Nach 40 Jahren sei das Lungenkrebsrisiko sogar mehr als zehn Mal so hoch wie bei anderen Nichtrauchern. Aus diesem Grund betont Radon: „Es besteht aus wissenschaftlicher Sicht kein Bedarf, weitere Studien durchzuführen und Entscheidungen damit hinauszuzögern.“


Auf der diesjährigen Jahrestagung der Radiological Society of North America beeindruckte der amerikanische Forscher Chengbo Wang mit Fotos, die er mit Hilfe einer neuartigen Kernspintomographie von Passiv-Raucherlungen gemacht hatte.


Auf den Bildern wurden beschädigte und zerstörte Lungenbläschen mit einer gelblichen bzw. weißen Verfärbung sichtbar gemacht. Mit dem Ergebnis, dass sich bei den Passivrauchern ähnliche Farbtöne wie bei langjährigen Tabakkonsumenten zeigten: 33 Prozent der untersuchten Lungen zeigten deutliche Hinweise auf ein beginnendes Emphysem.


Aktuelle Zahlen aus Italien und den USA belegen schließlich, wie konkret und schnell ein Rauchverbot anschlägt. Im amerikanischen Monroe Country gilt es nämlich schon seit 2004 und es hatte zur Folge, dass binnen 22 Monaten lediglich fünf Nichtraucher wegen Herzinfarkts in ein Hospital gekommen sind. „Vor dem Verbot waren es für den gleichen Zeitraum noch 17 Einweisungen“, erklärt der Medizinstatistiker Dong-Chul Seo von der Indiana University. Das entspricht einem Rückgang der Nichtraucher-Infarkte von etwa 70 Prozent.
In der norditalienischen Piemont-Region wurde das Rauchverbot 2005 durchgesetzt. Und Francesco Barone-Adesi von der Universität Turin beobachtete daraufhin schon fünf Monate später bei den Abstinenzlern einen Infarktrückgang von über zehn Prozent. „Ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich das Rauchverbot schon sehr kurzfristig auswirkt“, resümiert Barone-Adesi.
Für die Raucher selbst konnte der Turiner Epidemiologe allerdings keine positiven Auswirkungen beobachten. Dies widerspricht der unter Experten verbreiteten Auffassung, wonach ein Rauchverbot letzten Endes auch den Nikotin-Fans nutzen würde, weil sie dadurch seltener zur Zigarette greifen würden als vorher.


Offenbar tun sie das aber nicht. Sie gehen für ihre Passion lieber kurzfristig vor die Kneipentür.

INFO
Ökonomische Wirkung
Umstritten ist, wie sich Rauchverbote auf die Umsätze der Gaststätten auswirken. Während der Bann in Belgien, seit Einführung zum Jahresbeginn, deftige Umsatzrückgänge brachte, gilt er in Kalifornien schon seit über zehn Jahren und die Umsätze legten dort sogar leicht zu. In Irland führte das Rauchverbot 2004 zunächst zu einer Einnahme-Delle, die ein Jahr später ausgeglichen war.
 

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