Notiz Nr.2

Notiz Nr. 2

DIE MONSTERWELLE WEIHNACHTEN 2004


Die friedliche Weihnacht wurde plötzlich gestört, als am Morgen des 26. Dezember die ersten Meldungen über die Flutwelle in Südostasien hereinkamen. Große Betroffenheit trat ein, als das Ausmaß dieser Katastrophe klar wurde. Dieses Mal waren es keine Menschen, die alles verursacht hatten, sondern es war die Natur, die in voller Grausamkeit zugeschlagen hatte. Der Mensch musste ohnmächtig zusehen, wie alles zerstört wurde.

Hilflosigkeit auch, weil dieses Unerwartete und Schreckliche sich jederzeit wiederholen kann. Ein lähmendes Entsetzen befällt uns, da wir im ersten Moment einfach nicht in der Lage sind zu helfen oder diese Grausamkeit ungeschehen machen zu können. Wir schenken den Angehörigen der Toten, egal welcher Nationalität sie angehören, unser volles Mitgefühl und wir trauern mit Ihnen.

Der Außenminister spricht von einer ''Jahrhundertkatastrophe'' und der Kanzler von einer ''biblischen Katastrophe''. Dabei hat das Jahrhundert gerade erst begonnen und in der Bibel funktionierte das Frühwarnsystem zumindest für Noah.


200.000 Tote - oder wie viele es immer sein werden - sind nicht zu relativieren. Auch nicht die ''deutlich dreistellige Zahl der Deutschen'', wie es der Kanzler betroffen befürchtet. Es sind so sensationell viele, dass die grossletterige Trauer niemals auf die Titelseiten der Zeitungen passen kann. Aber die vollgeladenen Titelseiten und die anderen Medien haben uns wach gerüttelt. Wir sind bereit zu helfen und zu spenden. Besonders in unserem Deutschland wurde sehr viel bisher getan. Endlich mal ein Grund, auf unser Land mit seinen Einwohnern stolz zu sein. Ich jedenfalls bin es.

Aber, da ist dieses verdammte „Aber“:

Andere Tote findet man, wenn es überhaupt zur Veröffentlichung kommt, im Kleingedruckten auf Seite vier oder fünf. Warum regen wir uns nicht auf und sind auf das Äußerste betroffen, wenn beispielsweise 50.000 Menschen in Deutschland jährlich an falsch verordneten Medikamenten sterben oder weitere 50.000 Menschen jährlich allein in Deutschland an einer Sepsis im Krankenhaus zu Tode kommen oder wenn geschätzte 20.000 Menschen ebenfalls jährlich in Deutschland in Pflege- und Altenheimen durch Fehlernährung und Unterversorgung verdursten und verhungern. Das ist keine Jahrhundertkatastrophe, das ist dann nur Routine.

So wunderbar vorbildlich wie wir uns bei der „Jahrhundertkatastrophe“ verhalten haben, so schrecklich „desinteressiert“ verhalten wir uns in unserem eigenen Land. Nur deshalb sind diese „Aber-Zustände“ bei uns möglich. Wir müssen lernen, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen, auch gegebenenfalls öffentlich anzuprangern und zu bestrafen und nicht nur wenn es unvermeidbar ist, vorzeitig auf eine hoch dotierte Rente zu schicken.


Wir trauern um die Toten in Südostasien – ebenfalls sollten wir auch in Deutschland um die unnötigen Toten trauern und noch frühzeitig die Rechte für die Lebenden einfordern, die hier bei uns in Deutschland von der Monsterwelle der Medizinfehler und der Unmenschlichkeit bedroht sind.

Klaus Höner

Januar 2005

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