Notiz Nr.3

  

IRREFÜHRENDER ÖKO-TEST

(Aus med-con Newsletter vom 15.01.05)


''Zu fett, zu süß, zu salzig, zu wenig Bewegung - die Folgen sind allenthalben sichtbar. Zehn bis zwanzig Prozent aller deutschen Kinder sind übergewichtig, bei rund 60 Prozent aller Zwölfjährigen frisst Karies Löcher in die Zähne'', schreibt die Zeitschrift Öko-Test in ihrer Januar-Ausgabe 2005 und testet Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate für Kinder. Und damit gleich klar ist, in welche Richtung der Test geht, wird gleich noch das Glaubenbekenntnis erläutert: ''Nahrungsmittel stehen nicht nur ausreichend, sondern im Überfluss zur Verfügung. Kein Wunder also, dass ernsthafter Vitaminmangel zumindest in der westlichen Welt praktisch keine Rolle spielt.''


Die Tatsachen sehen leider anders aus. Ein Drittel aller schulpflichtigen Kinder geht ohne Frühstück aus dem Haus. Der Nahrungsmittel Überfluss mag sich zwar in den Schaufenstern der Feinkostläden widerspiegeln, für fast die Hälfte der deutschen Kinder steht aber allenfalls ein Nahrungsmittelbudget von 3 Euro pro Tag zur Verfügung. Damit ist eine ausgewogene Ernährung nicht realisierbar. Dass Kinder zu fett, zu süß oder zu salzig essen, ist ein gefährlicher Irrtum. Das Gegenteil ist der Fall. Im Zeitalter der Light-Nahrung bekommen die Kinder nicht nur viel zu wenig Vitamine, sondern auch zuwenig Fett und zuwenig Kohlehydrate. Und sie leiden weitgehend an einem Salzmangel.

 
Weiter heißt es in Öko-Test: ''Die untersuchten Produkte enthalten nichts, was nicht auch in einer ausgewogenen Ernährung mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten steckt. Entsprechende Hinweise, die aktiv eine solche Ernährung als ersten Schritt fordern, fehlen mit einer Ausnahme auf allen Packungen. Wissenschaftler finden es äußerst problematisch, wenn schon den Kleinen angewöhnt wird, ständig zur Pille zu greifen, um sich dann bar jeden Zweifels vorwiegend von Pommes, Hamburgern und Cola zu ernähren.''


Die Kinder, die sich vorwiegend von Pommes, Hamburgern und Cola ernähren, gibt es nur in TV-Soap-Operas; mit dem wahren Leben hat das wenig zu tun. Die Gefahr, dass sich Kinder unkritisch an Pillenschlucken gewöhnen, ist ebenfalls aus dem Horrorszenario einer fehlgeleiteten Naturphilosophie. Sicherlich ist es absurd, wenn wir Erwachsene haben, die überzeugte Vegetarier sind und Fleisch verteufeln, aber synthetisches Carnitin zuführen. Aber Kinder müssen eben auch mal lernen, sich nach der Decke zu strecken und nicht dann ihren täglichen Apfel fordern, wenn das Kilo 4 Euro kostet. Da kann und muss man schon mal bereit sein, mit einer Vitamin-Brause-Tablette - notfalls von Aldi 10 Stück zu 60 Cent - ergänzen.


Im Übrigen brauchen Kinder eine sehr unterschiedliche Nährstoffzufuhr. Zeiten des ''schlechten Essens'' wechseln mit ''Fressen wie eine siebenköpfige Raupe'' ab. Das ist normal und entspricht dem natürlichem Instinkt. Der aber frühzeitig durch die ''Vernunft'' der Eltern abgewürgt wird. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass Kinder kaum Depotkapazitäten haben und die Vielzahl der Nährstoffe kontinuierlich zugeführt werden müssen, dann muss man sich darüber klar werden, dass man nicht in der Lage ist, dies auch nur annähernd hinzubekommen und dass daher Mangelerscheinungen (die zunächst kaum Auswirkungen haben), die Regel sind. Der menschliche Köper braucht eben morgens Kohlehydrate. Bekommt das Kind morgens gar nichts oder allenfalls Tee oder einen Schluck Milch, kann es keine Leistungsfähigkeit geben. Ja, der Körper wird die Milch als Fehlzuführung registrieren und gegebenenfalls mit einer Milchunverträglichkeit oder Milchallergie reagieren. Erbricht das Kind dann die Milch, kommt das große Gejammer. Dabei würde schon ein Löffel Honig in die Milch das ganze Problem des ''schwachen Magens'' und der ''Konzentrations- und Lernschwäche'' lösen. Aber dazu lesen wir in Öko-Test: ''14 Produkte enthalten Zucker. Doch nicht nur der gewöhnliche Haushaltszucker (Saccharose), auch Trauben- (Glucose), Frucht- (Fructose), Milch- (Lactose) und Malzzucker (Maltose, Glucosesirup, Maltodextrin und Honig, können Karies auslösen. Zitronensäure erzeugt den säuerlichen Geschmack, greift aber auch den Zahnschmelz der ersten Zähne an. Bei 14 Präparaten gab es dafür eine Abwertung.''

Warum Abwertung. Das Märchen vom bösen Zucker, der Karies verursacht, ist doch schon lange vom Tisch. Wer ausreichend mit Vitamin C versorgt ist, bekommt keine Karies. Und bei Kalk- und Kalziummangel greift eben Zitronensäure auch den Zahnschmelz an. Es ist eben alles verzahnt und in der Normalität sehr viel komplizierter, als dies in das Glaubensbekenntnis von Öko-Test passt. Und wer der Gebrauchsanweisung von Öko-Test zur Kinderernährung folgt, erzieht Kinder, die ihren Körper belügen und betrügen und dann von den Krankheiten eingeholt oder überholt werden.


''So schmeckt Gesundheit'', behauptet Öko-Test und schreibt: ''Zwar wissen die meisten Kinder, dass Obst und Gemüse gesund sind. Doch beliebt sind sie deswegen noch lange nicht. Hier ein paar Tipps, es den Kleinen schmackhaft zu machen. Gemeinsames Kochen fördert Wissen und Lust an gutem Essen. Süß schmeckende Gemüse wie Möhren, Erbsen oder Mais kommen der natürlichen Geschmacksvorliebe für süß entgegen. Die Kinder zum Einkauf mitnehmen, sie selbst ein Gemüse aussuchen lassen, dass sie anschließend auch selbst kochen. Obst und Gemüse in mundgerechten Häppchen auftischen. Fertig geschnitten essen viele Kinder ein Stück Gemüse gerne als Zwischenmahlzeit. Kein Chaos auf dem Teller: Kinder lieben unterschiedliche Komponenten, aber immer schön voneinander getrennt. Mischen wollen sie selbst. Auch witzig hergerichtete Speisen wirken manchmal Wunder. Das Gemüse auf Pizzas, in Aufläufen oder Nudelsoßen verstecken. Kinder lieben Essmärchen. Die Geschichte der Lebensmittel finden sie spannend. Pausenbrote sehen nicht nur appetitlicher aus, sondern bleiben auch länger frisch, wenn man zusätzlich ein Salatblatt oder Gurkenscheiben einlegt. Als Pausengetränk eignen sich ungezuckerte Fruchtsäfte. Das Vorbild der Eltern, laut Studien vor allem der Mutter, hat für die Essvorlieben immer noch den höchsten Stellenwert - gefolgt von den Freunden.“


Das Gegenteil ist richtig: Kinder brauchen ''ehrliche Nahrung'', das bedeutet: Nichts verstecken, nichts falsch deklarieren. Der Körper muss lernen, die Nahrungsmittel zu erkennen und richtig einzuordnen. Wenn was süß schmeckt, erwartet der Körper Zucker. Und nicht Möhren, Erbsen und Mais. Und beim Salatblatt oder bei der Gurkenscheibe erwartet er Vitamine. Nur,  trockene Salatblätter kann der Körper nicht verarbeiten. Gurkenscheiben ebenso wenig. Im Gegensatz etwa zum nicht im Trend liegenden ''Essig-Gurkerl''. Ungezuckerte Fruchtsäfte regen den Darm an - als Pausengetränk ein Wahnsinn. Denn für die nächste Unterrichtsstunde braucht man Konzentration. Erreichbar nur mit einem aufgefüllten Kreislaufvolumen und ausreichend Zucker... Kohlensäurehaltiges Mineralwasser mit Honig wäre hier das Optimum. Oder eine Vitamin-Brausetablette mit reichlich Wasser.


Was hier Öko-Test als Maßstab genommen hat, sind maximal die Parteitagsbeschlüsse der Grünen. Ministerin Renate Künast muss nun der Bevölkerung erklären, dass die im November 2005 in Kraft tretende Nahrungsergänzungsmittelverordnung die preiswerten Multivitamine möglicherweise aus dem Aldi-Regal verschwinden lässt. Und ab November 2005 gibt es einen gesetzlichen Maulkorb. Dann darf nämlich nicht mehr behauptet werden, dass man mit der ''normalen Ernährung'' seinen Nährstoffbedarf nicht decken kann. Dass wir dann alle so ''gesund'' aussehen, wie die Ministerin, müssen wir wohl in Kauf nehmen.


Kinder sind keine Maschinen. Und auch keine Autos, wo man Treibstoff sparende Motoren entwickeln muss. Kinder entwickeln sich, brauchen Nährstoffe und Vitamine. Und keine Ausschlußdiäten und keine Verteufelung von notwendiger Nahrungszufuhr als Schadstoff. Die hier herangezogenen Empfehlungen der empfohlenen Tagesmengen der DGE stammen aus der unseligen Zeit der Tierversuche mit der Methode M50, wo man die Schädlichkeit der Stoffe an der Menge festmachte, bei der 50% der Versuchstiere starben (Mortalitätsrate 50). Nach einer komplizierten Formel wurde dies dann aufgrund des Körpergewichts in Empfehlungen für den Menschen umgewandelt.


Doch bei Kindern funktioniert das etwas anders. Sie müssen lernen, dass der Körper nicht benötigte Nährstoffe ausscheidet und nicht deponiert. Das kann der Körper aber nur lernen, wenn er die Sicherheit bekommt, auch morgen und übermorgen seine Kohlehydrate zur Aufrechterhaltung der vitalen Körperfunktionen zu bekommen. Mit den kontraprodukten Ratschlägen von Öko-Test und Künast ist das nicht zu erreichen.

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