Notiz Nr.5

Entnommener Artikel aus www.med-con.de

 

FLOP FÜR KREBS-EVENT


Die Onkologen haben zurzeit einen schweren Stand. Steigende Neuerkrankungen, schöngeredete Mortalitätsraten, kein diagnostischer und therapeutischer Durchbruch in Sicht. Und so stiegen die Götter in Weiß herab aus ihrem Olymp und forderten den Schulterschluss mit den Patienten, den sie nun verstärkt einbeziehen wollen, ja sogar ''einbinden'', wie es Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf der Eröffnungsrede der ''1. Offenen Krebskonferenz'' im Berliner Congreß-Center (ICC) am vorigen Wochenende formulierte.


Der Chronist erinnert sich an eine Krebskonferenz an gleicher Stelle im Jahr 1980. Die Politik mit Bundespräsident Dr. Walter Scheel saß im Parkett und seine Gattin, die Vorsitzende der Deutschen Krebshilfe e.V., die Röntgenologin Dr. Mildred Scheel, hielt die Rede. Bis zur Jahrtausendwende werde man die Menschheitsgeißel Krebs besiegt haben, war ihre Botschaft. Doch der Applaus war nicht überwältigend. Warum dauert es denn noch so lange, fragten die Kritiker 1980, warum müssen wir mit dem Sieg über den Krebs noch 20 Jahre warten?


Heute spricht niemand mehr vom Sieg, nicht einmal mehr vom Waffenstillstand. ''Nur gut informierte Patienten können bei der Diagnose, Therapie und Nachsorge aktiv mitarbeiten. Immer mehr Ärzte seien auch bereit, Krebs-Patienten aktiv in ihre Überlegungen einzubinden'', sagt die Ministerin. Wobei sie vergisst, dass es kaum Überlegungen gibt. Es gibt fachliche und bürokratische Standards, die die Hilflosigkeit überdecken. Und keine Informationen, die dem Patienten tatsächlich nutzen könnten. Außer der, dass eben die Chemotherapie (Spiegel: ''Giftkur ohne Nutzen'') von der Krankenkasse bezahlt wird und eine Stärkung des Immunsystems nicht. Aber schon die Information, dass eben ein Onkologe einen Behandlungsfehler begeht, der Chemo nicht empfiehlt - und deshalb persönlich in Regress genommen werden kann - zeigt, wie ernst hier ''Überlegungen'' sind, in die die Patienten einzubinden sind. Einbinden heißt hier wohl Ja sagen und informiert sein, der Werbung für den Standard kritiklos zuzustimmen.

Doch diese Information und diese Einbindung stieß auf taube Ohren, war ein Flop. Gerade mal 3000 Besucher verirrten sich - nach offiziellen Angaben - ins Berliner ICC. Wenn man bedenkt, dass Dr. Rath ein paar Wochen vorher mit seinem Vitaminpillenzirkus 12.000 Leute ins Berliner Tempodrom brachte, ein Offenbarungseid für die von den Onkologen, den Selbsthilfegruppen und der Pharmaindustrie (Novartis) getragenen Event. Nirgendwo und nirgendwann wurde je auf so kleinem Raum die Bandbreite des Krebses so deutlich vor Augen geführt wie hier: Die Hilflosigkeit der Onkologen, die Peinlichkeit der Selbsthilfegruppen, die gleichgültige Hoffnungslosigkeit der Patienten und dem knallharten Geschäft der Pharmaunternehmen. Und wenn im Mittelpunkt eines stand, das als neueste Errungenschaft eine Morphin-Brausetablette vorstellte, dann läuft es einem kalt über den Rücken.


Manchmal gibt es auch eine makabre Ehrlichkeit. Ein Hersteller für Brustimplantate bietet eine lebenslange Haltbarkeit. Darauf hingewiesen, dass mehr als 10 Jahre ja nicht zu garantieren wären, meint er treuherzig, dass dies ohnedies weit mehr wäre als die statistische Überlebenserwartung nach einer Brustkrebs-OP. Rechnen muss man eben können, dann wird die absurdeste Werbung auch wahr. Apropos Werbung: Ist es denn niemand von den Veranstaltern aufgefallen, dass außerhalb der Fachkreise nicht für Verfahren in Zusammenhang mit Geschwulstkrankheiten geworben werden darf? Oder dass man auch für verschreibungspflichtig Medikamente nicht werben darf? Wäre vielleicht auch mal ein Tipp für die Frau Gesundheitsministerin, das Heilmittelwerbegesetz zu lesen, bevor Sie auf einer Veranstaltung gütig lächelt, die dieses Gesetz schon vom Ansatz her bricht.


Aber man wird gnädig gestimmt, wenn man dann an der Präsentation der Selbsthilfegruppen lang geht und ist geneigt zu sagen: ''Lass doch diesen Leuten den Strohhalm...''. Denn an diesen Ständen entlang zu schlendern, hat kafkanische Dimensionen, nimmt den Atem und belastet die Psyche. Da haben die Veranstalter all das zusammengefegt, was irgendwie eine Chemotherapie überlebt hat und bereit war, sich hinter einen Messestand zu stellen. Dazu ein paar Sektierer und Spinner, alles gemixt mit einer laienhaften und unsensiblen Standgestaltung (die Vertreter der Neuen Medizin unter Antje Scherret brachten es sogar fertig, ihren Stand mit Luftballons zu dekorieren und im T-Shirt ''Freiheit für Dr. Hamer'' aufzutreten).

Es ist schon makaber, wenn diese Menschen beginnen, dann ihre Leidensgeschichte zu erzählen und mit typischer Krankenkassen-Perücke, verrutschte mode-verpfuschtem Brustaufbau und den starren abwesenden Blick von lebenden Toten ihre persönliche Version zum besten geben, wie sie den Krebs besiegt haben oder noch besiegen wollen. Überzeugend ist das alles nicht in einer Atmosphäre eines Wartesaals eines Bestattungsunternehmens. Und so bestelle ich keine Wunderwurzel aus Peru, unterschreibe nicht für die Freigabe von Cannabis, will mich nicht für einen Hungerstreik für die Freilassung Dr. Hamers verpflichten, stelle ich meine Nahrung nicht aufzuckerfrei um, verzichte nicht auf die Zigarette zum Kaffee und flüchte aus der Konferenz zurück ins Leben.


Heilpraktiker waren zu dieser Veranstaltung weder eingeladen noch vertreten. Und das ist auch gut so, denn sie hätten gepasst, wie die Faust aufs Auge. Sie haben ihre Einbindung der Patienten längst gelöst. Nicht, indem man dem Patienten Werbung als Information verkauft, sondern indem man dem Patienten eine Stütze ist und unabhängig von Krankenkassenerstattungen, Bürokratismus und wissenschaftlichem Standard Heilung oder Linderung bringt. Gerade in der Krebstherapie leisten die Heilpraktiker seit Jahren hervorragende Arbeit, indem sie zwischen Schulmedizin und komplementärer Behandlung mit Augenmaß Erstaunliches leisten. So ist Beispiel beim Brustkrebs das von med-con gepostete Credo ''Frühe Biopsie, frühe schonende OP, keine Chemo, komplementäre Methoden der Stärkung des Immunsystems, umfassende Nachsorge durch Heilpraktiker'' zu einem Erfolgs- und Überlebensrezept für Patienten geworden.


Der Krebs hat sein Geheimnis bewahrt. Der hinter der Schulmedizin stehenden Wissenschaft ist es nicht gelungen, es zu knacken. Und er hat seinem Namen alle Ehre gemacht; global gab es keine Fortschritte, ihn zu entschlüsseln - es waren immer nur Schritte zurück. Sicherlich haben wir immer wieder Grund zu der Annahme, dass es einst gelingen wird, die Ursachen und Mechanismen zu erkennen und daraus eine Ausrottungs-Therapie zu entwickeln. Und die Chancen, dass dies nicht Schulmediziner oder Wissenschaftler sein werden, sondern Heilpraktiker, stehen gut. Sofern sie nicht auch ''betriebsblind'' werden und sich den Sinn für die Ganzheitlichkeit und vor allem für die Selbstkritik bewahrt haben. Aber niemand soll uns Mechanismen der Krebsursache und der Krebsentstehung als Glaubensbekenntnis präsentieren, wenn er nicht eine Therapie hat. Oder eine Therapie, die die Lebensqualität und Überlebenschance nicht verbessert. Und zwar nicht (nur) die statistische, sondern die ganz persönliche des Patienten, der dem Therapeuten vertraut.


Wer auf der 1. Offenen Krebskonferenz der Deutschen Krebsgesellschaft war, hat zumindest eine Erkenntnis mitgenommen: Dass es ohne Heilpraktiker und ohne komplementäre Medizin nicht geht und dass die Wissenschaft und die Schulmedizin in ihrer Hilflosigkeit nicht mehr zu überbieten ist.
    

  Übernommen im März 2005

Klaus Höner

Zurück zu Randnotizen

 

suchticker.de - die Seo Suchmaschine